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Sporttauchen – Ein Gastbeitrag

Die Jungs und Mädels von https://lustaufsport.de/ haben mich kontaktiert und gefragt, ob ich im Sinne ihrer homepage nicht interessiert wäre, einen kurzen Gastbeitrag zum Thema Sporttauchen zu schreiben. Auf ihrer Seite stellen sie verschiedene Sportarten vor, die man organisiert, der selbständig durchführen kann. Gerade in Zeiten von „Corona“ mit den Lockdowns eine schöne Möglichkeit zu recherchieren, wie man sich zu Hause fit halten kann und mit welchen Kleingeräten das möglich ist. Aber auch Sportarten, wie Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking oder Fußball werden thematisiert. Die Rubrik „Gastbeitrag“ ist neu und hier ( https://lustaufsport.de/gastbeitrag/#tauchen ) findet ihr meinen Beitrag. Schaut doch mal rein und stöbert ein wenig …

Sporttauchen: Eine der schönsten Nebensachen der Welt! So schön, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht habe den Sport zum Beruf zu machen…

Dieser Artikel richtet sich speziell an Tauchanfänger, die sich dem Thema bewusst nähern möchten.

Warum möchtest Du tauchen lernen? Warst du im Urlaub Schnorcheln und bist fasziniert von der Unterwasserwelt, in die du kurz und oberflächlich eintauchen durftest? Bist du fasziniert davon, mit technischen Hilfsmitteln in eine eigentlich lebensfeindliche Welt einzutauchen? Möchtest du die Schwerelosigkeit unter Wasser erleben?

Wer sich jetzt an Science Fiction Filme und den Weltraum erinnert fühlt, liegt gar nicht so falsch. Ein Teil der Ausbildung von Astronauten findet tatsächlich unter Wasser statt. Ein Freund von mir finanzierte sein Studium hier als Sicherungstaucher.

Tauchen ist all das zugleich: Eine neue Welt, ein neues Körpergefühl und eine technikbasierte Sportart in einer Umgebung, in der wir nur zu Gast sind.

Entsprechend wichtig ist eine gute und vertrauensvolle Ausbildung und eine technisch einwandfreie Ausrüstung. Hiervon hängen schließlich das Leben und die Gesundheit ab.

Lösen wir uns mal ein wenig von der Faszination, der Motivation und den Gefühlen, die ihr mit dieser Sportart verbindet und widmen uns den organisatorischen Fragen, worauf ihr als Einsteiger achten solltet, wenn ihr sicher und mit Spaß Tauchen lernen möchtet.

Verbände

Es gibt unzählige Tauchverbände, die fast alle in der Welt-Dachorganisation CMAS organisiert sind. Die CMAS gewährleistet weltweite Standards, die der Qualität eurer Ausbildung und eurer Sicherheit dienen. Ist also eine Tauchbasis nicht in der CMAS, lasst lieber die Finger davon.

Der weltweit operierende Verband PADI ist eine riesengroße Ausnahme davon. PADI ist vergleichbar groß, wie die unzähligen Tauchverbände der CMAS und deckt vor allem den gesamten amerikanischen Raum ab.

Es gibt hier gegenseitige Anerkennung und Äquivalenzlisten für die Qualifikationen, aber als Faustregel gilt: Wer primär im nord-, mittel- oder südamerikanischen Raum tauchen möchte, macht seine Ausbildung bei PADI, wer eher in Deutschland oder im europäischen Raum Tauchen gehen möchte, sucht sich einen CMAS-Verband. Wenn es im Urlaubsort keine Wahlmöglichkeit gibt, oder die Tauchbasis des anderen Verbandes einen besseren Eindruck macht, entscheidet bitte nach eurem Gefühl. Die Verbandsfrage dient nur der groben Orientierung.

Letztendlich steht und fällt die Qualität der Ausbildung mit der Tauchbasis, dem Verein und vor allem dem/der Tauchlehrer/in!

Ihr müsst Vertrauen haben, denn von dieser Person hängt eure körperliche Unversehrtheit und ggf. auch euer Überleben ab. Der/Die Tauchlehrer/in muss all das, was ihr in eurer Ausbildung lernt, um gefahrlos tauchen gehen zu können, für euch regeln, solange ihr das nicht selbst könnt. Ihr müsst ihm oder Ihr völlig vertrauen können.

Tauchtauglichkeitsbescheinigung

Vor all dem steht in allen relevanten Tauchverbänden verpflichtend eine medizinische Untersuchung, in der euch ein Arzt/eine Ärztin die Tauchtauglichkeit bescheinigt. Diese ist normalerweise zwei Jahre gültig. Wenn ihr wisst, dass ihr im Urlaub tauchen gehen möchtet, macht die Tauchtauglichkeitsuntersuchung schon in Deutschland und nehmt die Bescheinigung einfach mit. Dann verschwendet ihr keinen Urlaubstag beim Arzt.

Zu Hause oder am Urlaubsort

Wenn ich mich zu Hause an einen Verein oder eine niedergelassene Tauchbasis wende, habe ich einige Vorteile.

In Deutschland kann ich mir recht sicher sein, dass die zuvor beschriebenen Standards eingehalten werden. Die meisten Vereine bieten eine Schwimmbadausbildung, beginnend mit Flossengewöhnung, Flossentraining-Umgang mit der „ABC“-Ausrüstung (Flossen, Maske, Schnorchel). Hier wird im abgesichertem Raum eines Schwimmbeckens der Umgang mit den relevanten Dingen und dem technischen Equipment erlernt und geübt. Die Theorieausbildung und Prüfung finden auf Deutsch statt und ohne Zeitdruck.

Ich habe eine solche Ausbildung über 4 Semesterwochenstunden genossen und war schon fast fertig ausgebildeter Taucher, als ich das erste mal im Freiwasser war.

Auf der anderen Seite macht es erheblich weniger Spaß, Woche für Woche in einen Pool zu springen und „Kacheln zu zählen“ anstatt ausgedehnte Unterwasser-Spaziergänge zu machen, in faszinierender Flora und Fauna, und nebenbei ein paar Übungen einzubauen.

Auf diese Weise habe ich dann als Tauchlehrer gearbeitet. Welche Variante für euch die passende ist, glaube ich, ist typabhängig.

Woran erkennt man eine gute Tauchbasis

Das ist schwer zu sagen, für den/die Eine/n muss eine Basis gut durchstrukturiert und alles auf Hochglanz sein, der/die Andere schaut eher auf die Stimmung und Atmosphäre.

Das Equipment sollte auf jeden Fall den Eindruck erwecken, dass es gut gewartet und gepflegt ist. Auf Lungenautomaten bekommt man häufig lebenslange Garantie, sodass sie im regelmäßigen Einsatz nicht unbedingt neu aussehen müssen, um technisch einwandfrei zu sein. Ähnlich sieht es mit Pressluftflaschen aus. Hier ist der eingeschlagene oder aufgeklebte TÜV-Stempel wichtig. In der Regel werden Flaschen alle zwei Jahre vom TÜV oder vergleichbarer Stellen untersucht. Bei nicht regelmäßig geprüften Flaschen wäre ich sehr skeptisch.

Die Atmosphäre an der Basis ist aber auch nicht zu unterschätzen. Zum einen fühlen zufriedene und entspannte Kunden sich wahrscheinlich auch gut aufgehoben, zum anderen sind Stress und Hektik für einen Tauchgang nicht förderlich.

Aber kommen wir wieder zu objektiv überprüfbaren Kriterien…

Wie ist der Betreuungsschlüssel für die Ausbildung von Anfängern? Ich habe in der sehr glücklichen Situation arbeiten können, dass wir für die ersten Tauchgänge eine 1:1 Betreuung gewährleisten konnten. Erst, wenn der oder die beteiligten Tauchlehrer/innen es für möglich und sinnvoll erachteten, wurden Pärchen oder Kleingruppen gebildet.

Häufig ist für Tauchbasen eine solche Betreuungssituation aus Kostengründen nicht angezeigt, aber „Groß-“gruppen machen aus meiner Sicht einfach keinen Sinn.

Anzahl der Tauchgänge bis zum Open Water Diver

Früher waren in den CMAS-Verbänden 10 Ausbildungstauchgänge vorgeschrieben, also ausreichend Zeit, „schön“ Tauchen zu gehen und in jeden Tauchgang die eine oder andere Übung einzuplanen, die am Ende für das Bestehen der Ausbildung vorgeschrieben ist. Mittlerweile sind nur noch 6 Tauchgänge Pflicht, sodass das zu Erlernende in viel kürzerer Zeit erarbeitet werden muss, wodurch in jedem Tauchgang der Fokus viel mehr auf dem Lernziel liegt.

Funktioniert alles problemlos, sind 6 Tauchgänge durchaus ausreichend, das Ziel des „Open Water Divers“ zu erreichen. Aber läuft irgend etwas nicht rund, wird es schnell eng.

Die Frage ist jetzt nicht, nehme ich mir einfach ein paar Tauchgänge mehr Zeit um mein Brevet zu bekommen, sondern eher, wie viele Tauchgänge sind in der Buchung für die Ausbildung mit dabei und wie teuer sind weitere Tauchgänge, ggf. in einer 1:1 oder 1:2 Betreuungssituation. Klärt solche Situationen vorher ab, nicht, dass später überraschende Kosten auf euch zukommen.

Eine weitere Frage ist, wie viele Landtauchgänge und wie viele Bootstauchgänge sind enthalten (Bootstauchgänge sind in der Regel teurer, aber meist auch an den interessanteren Tauchspots) und ist ein Nachttauchgang inbegriffen (ein Erlebnis, dass man auf jeden Fall mal gemacht haben sollte).

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Ihr müsst Vertrauen zur Tauchbasis und dem Tauchlehrer haben
  • Die Tauchbasis sollte in der CMAS und/oder bei PADI organisiert sein
  • Das Equipment muss gepflegt und regelmäßig gewartet (revidiert) werden (TÜV-Siegel)
  • Der Betreuungsschlüssel sollte für die ersten Tauchgänge bei 1:1 oder 1:2 liegen
  • Theorieausbildung und Klausur auf Deutsch oder Englisch, etc.? (relevant, wenn die Ausbildungssprache nicht gut beherrscht wird)
  • Wenn ihr die Ausbildung schon in der Heimat macht, könnt ihr im Urlaub ganz entspannt tauchen gehen
  • Holt euch die Tauchtauglichkeitsbescheinigung schon in Deutschland, dann verschwendet ihr keinen Urlaubstag

Und jetzt viel Spaß beim Tauchen!

Euer Torsten Rosenstengel

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